December #11

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Juni 2019 Part I

„Ich kann einfach nicht glauben, dass das Auslandssemester vorbei ist. Vor zwei Wochen bin ich aus dem Wohnheim ausgezogen, ich habe mein Leben wieder in einen Koffer gepackt und neue Freunde und Bekanntschaften zurück gelassen. Man hat sich ein neues  Leben aufgebaut in den letzten fünf Monaten und gerade, wenn man sich so richtig eingelebt hat und man sich in der neuen Umgebung auskennt und beginnt richtig zu LEBEN, dann muss man seine Sachen packen und gehen. Der 21. Mai war nicht einfach für mich, so viele Abschiede. Wann seh ich all die Menschen wieder, die ich so in mein Herz geschlossen habe, wann komme ich zurück nach Los Angeles? Zugegeben, ich war nie der größte Fan von Los Angeles und ich bin es immer noch nicht, aber die Stadt war für fünf Monate mein zuhause, ein Ort an dem ich mich auch tatsächlich zuhause gefühlt habe und ein Ort, an dem ich mich weiterentwickelt habe und gewachsen bin. Und diesen Ort habe ich nun hinter mir gelassen. Zum Glück ist meine Reise noch nicht ganz zu Ende und ich bin nur einen Staat weiter, nach Las Vegas, Nevada, gezogen. Aber auch hier ist meine Zeit begrenzt und Ende Juni bin ich wieder in Deutschland. Manchmal frage ich mich, weshalb ich mich überhaupt so wohl in den USA fühle und ich kann nicht mal einen genauen Grund nennen. Es fühlt sich einfach richtig an. Nicht einmal hatte ich Heimweh. Ich weiß, wo ich herkomme und ich liebe Berlin und mein Leben dort, aber genauso liebe ich mein Leben in Amerika. Ich habe oft meine Freunde und meine Familie vermisst, aber nie habe ich nachts wach gelegen und mich nach Deutschland gesehnt oder nach meinem Bett in Berlin. Ich habe nachts wachgelegen und mich gefragt, wie ich meine Zeit noch intensiver genießen kann und wie es mir wohl gehen wird, wenn ich wieder zurück nach Deutschland muss. Aber erstmal schau ich nun nach vorn, denn ich habe noch einen knappen Monat in Las Vegas vor mir. Der Umzug von Los Angeles nach Las Vegas fiel mir nicht leicht, auch wenn ich mich sehr auf Vegas und Claudia gefreut habe. Ich musste mein Zimmer im Studentenwohnheim räumen, das Zimmer in dem ich all die Monate gewohnt habe und was wirklich wie ein kleines Zuhause für mich war, ein Rückzugsort und ein Ort, den ich lieben gelernt habe, wenn der Anfang auch ziemlich holprig war. Am liebsten hätte ich alles mit nach Deutschland genommen. Mein Geschirr, meinen Wasserkocher, meine Kleiderbügel und meine Deko. Aber das geht leider nicht. Das mag komisch klingen, aber ich musste mich von so vielen Dingen trennen, die so viele neue Erinnerungen geschaffen haben. Einige Kleidungsstücke mussten nun schon in Los Angeles zurückbleiben. Vieles konnte ich verschenken. 
So verloren wie ich am Anfang des Semesters war, so vertraut war nun alles am Ende. Ich habe mich nicht mehr verlaufen, ich kenne mich jetzt aus. Und ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen und alles nochmal erleben. Fremde, die zu Freunden wurden. So viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen. Gelacht,  geweint, geflucht, geliebt, gelebt. So viele Emotionen die hochgekommen sind, als ich im Bus von LA nach Las Vegas saß, als ich das letzte mal am Hollywood Sign vorbeigefahren bin und krampfhaft nach einer neuen Packung Taschentüchern gesucht habe. Los Angeles ist nicht nur Stars und Sternchen und wenn man kein Millionär ist auch nicht so fancy, wie man es im Fernsehen sieht. Aber wenn man dort lebt, dann lernt man nochmal eine andere Seite der Stadt kennen. Man lernt die Menschen dort kennen. Und ich würde immer wieder nach Los Angeles zurückkommen. Nicht wegen der Stadt an sich, sondern wegen den Menschen, die diese Zeit so besonders gemacht haben. Ich weiß, von nun an wird es für mich immer einen Grund geben, einen Flug nach LA zu buchen. Und ich würde immer wieder mit offenen Armen empfangen werden. Es würde immer jemand am Flughafen warten und mich mit offenen Armen begrüßen. Es tut gut zu wissen, dass ich immer ein „Home away from home“ haben werde und dass ich immer einen Stück LA in meinem Herzen mit mir tragen werde. 
Jetzt sitze ich hier, in Las Vegas, schaut man aus dem Fenster sieht es aus wie eine andere Welt. Wüste, kein Meer, nicht so viele Palmen. Ich liebe Las Vegas, aber die Umstellung ist größer als ich dachte. Plötzlich habe ich keinen Unterricht mehr, aber auch keine Zimmernachbarin. Ich schlafe wieder alleine, wo sind die ganzen Menschen?
Es kommt mir vor wie meckern auf hohem Niveau – und ich würde es eigentlich auch nicht meckern nennen – es ist nur so anders! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nun muss ich mich daran gewöhnen, dass dieser Lebensabschnitt vorbei ist. Es mag vielleicht vorbei sein, aber die Erinnerungen werden immer in mir Leben. Diese Erinnerungen und Erlebnisse haben mich verändert und ich bin so froh, dass ich all das erleben durfte. Ein Auslandssemester, das war immer mein Traum. Und ich habe es getan. Es war die beste Zeit meines Lebens. Ich werde mich für immer daran erinnern wie es war, wenn ich an einem Unitag aus dem Gebäude kam, die Sonne schien, ich auf das Gelände mit all den Palmen blickte und zu meinem Fahrrad ging. Dann bin ich im schönsten Sonnenschein zur meinen Klassenraum gefahren, Musik in den Ohren, mit den Gedanken schon beim planen des Wochenendes. Das sind Dinge, die vergisst man nicht so schnell. Das war der Alltag, aber die Kleinigkeiten des Alltags sind die Dinge, die das Leben lebenswert machen.

Nun habe ich noch drei Wochen in Las Vegas und die werde ich genießen. Bis ich in den Flieger steigen muss und es diesmal ein Abschied für längere Zeit wird. Aber bis dahin hab ich noch Zeit. Und diese Zeit gilt es zu nutzen!“

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